Donnerstag, 14. Oktober 2010

Hoch- oder Dialektdeutsch?

In der Schweiz trifft man immer wieder auf Deutsche, die vielleicht erst seit Tagen oder seit mehreren Jahren hier leben. Darf oder soll man mit ihnen, ihr Sprachverständnis vorausgesetzt, schweizerdeutsch sprechen, oder ist auch da Hochdeutsch angebrachter? Andreas I., per E-Mail

Ich persönlich finde es eigenartig, wenn man mit seinem Gegenüber in zwei ähnlichen, aber doch verschiedenen Sprachen Konversation betreibt. Von Schweizern dürfte man doch erwarten, dass sie auch die entsprechende Hochsprache beherrschen. Sie müssen ausserdem bedenken, dass es für Deutsche manchmal schwierig ist, Dialekt zu verstehen, vom Sprechen ganz zu schweigen. Das sollte man ihnen nicht als hochnäsige Geste von Abgrenzung oder kultureller Überlegenheit auslegen. Umgekehrt sind die meisten Deutschen aber total entspannt, wenn Sie bei Ihrer Mundart bleiben. So gravierend sind die Unterschiede ja dann doch nicht.

Dunkle Hemden, Teil 2

Ihr dezidierter Rat bezüglich dunkler Hemden zu dunklem Anzug hat mich gleichermassen amüsiert und beunruhigt, denn auch ich trage manchmal einen dunkel-anthrazitfarbenen Anzug mit einem zwar helleren, aber eben auch anthrazitfarbenen Hemd. Bin ich, trotz Wohnsitz mitten in der Stadt, ein Provinz-Affe? Muss ich, da meine in der Regel sehr stilbewusste Ehefrau kein Veto eingelegt hat, wirklich dieselbe wechseln? Eine zweite Frage betrifft die Ärmellängen von Anzug und Hemd: Sollte der Ärmel des Anzugs deutlich kürzer sein als derjenige des Hemdes? Matthias S., Zürich

Wozu ich vor zwei Wochen aufrufen wollte, war nicht, jetzt massenhaft Beziehungen zu kündigen, sondern die Kombination von Hemd und Anzug zu überprüfen, damit man smart aussieht. Ich meine: Das Hemd muss heller sein als der Anzug. Und das ist bei Ihnen, lieber Stadt-Affe, problemlos erfüllt. Zum zweiten Thema: Ja, die Hemdmanschette sollte bis zur Daumenwurzel reichen und durchaus «deutlich», also zirka zwei Zentimeter, aus dem Vestonärmel herausschauen.

Donnerstag, 7. Oktober 2010

DER SCHWEIZER SHOPPING-GUIDE

Okay - ich habe verstanden: Balmain, Balenciaga, Gucci oder Prada sind Ihnen zu teuer und statusbeladen. Kann man verstehen, die Zeiten ändern sich ja auch. Und leider hat der Verkaufspreis eines Kleidungsstücks heute oft nicht mehr viel mit dem realen Produktionsaufwand zu tun, sondern ist ein Instrument zur Profilierung und Positionierung geworden. Es gibt eine Menge Mode, die viel zu teuer ist und sich übers „trading up“ ein Design-Image zugelegt hat, hinter dem nicht viel steckt - und es gibt auch gigantische Mengen Klamotten, die schlicht und einfach wertlos sind.
Zudem haben sich viele Menschen mit Labels und Trendzeug längst die Hörner abgestossen und kommen in einen Lifestyle, in der langfristigere Werte wichtiger werden. Sie suchen nach Qualität, die ihren Preis wert ist. Das Ziel kann also nicht sein, möglichst billig einzukaufen, sondern möglichst richtig. Was also bleibt, das man trotzdem mit Lust anschaffen kann? Ein Paar nützliche Tipps

Billiganbieter mit teilweise stilvollen Sortimenten:

Zara ist von den schnellen Billiganbietern derzeit der „erwachsenste“ und der mit dem sichersten Gefühl für Stil - allerdings muss man sich strikt an die „bessere“ Linie halten, die „Studio“ heisst. www.zara.com

Massimo Dutti ist die „Brave-Bürger-Variante“ von Zara - weniger fancy und modisch, eher auf günstige, aber ordentlich gemachte Klassik bedacht. In Zürich an der Bahnhofstrasse. www.massimodutti.com

H&M hat immer wieder mal Trouvaillen, man soll sich aber in grossen Filialen eindecken, die auch wirklich die etwas besser gestylten Trendsortimente haben. Im Auge behalten sollte man auch die angekündigte Kollaboration mit dem Toplabel Lanvin. www.hm.com

COS ist ein Budgetkonzept mit Stil von H&M, gibt es aber leider bis jetzt erst in Deutschland, etwa in Berlin und München. www.cosstores.com

Stilvolle Marken der Mitte:
Marc Cain aus Süddeutschland, www.marc-cain.com
Drykorn aus Kitzingen, www.drykorn.com
Closed ist wieder zurück im Rennen! www.closed.com
Schumacher ist feminin und zahlbar, www.dorothee-schumacher.com
Steffen Schraut, www.steffenschraut.com
Hannes Roether aus München, www.hannesroether.de
Humanoid aus Holland macht Super-Jerseysachen, www.humanoid.nl
Stefanel strickt hervorragend und günstig, www.stefanel.com
Isabel Marants Zweitlinie „Etoile“ ist cool und zahlbar, www.isabelmarant.tm.fr
Filippa K. aus Schweden, www.filippa-k.com
Acne Jeans aus Schweden, www.acnestudios.com
Forte Forte aus Italien, www.forte-forte.com

Schweizer Mode- und Warenhäuser im mittel- bis hochpreisigen Segment:
Feldpausch führt viele anständige deutsche Labels, www.feldpausch.ch
Ciolina in Bern hat Teures, aber auch Mittelpreisiges, www.ciolina.ch
Globus mit seinen zeitlosen „Essentials“, www.globus.ch
Jelmoli hat seine Flächen komplett neu gestaltet, www.jelmoli.ch
Grieder hat in seiner „Viva“-Abteilung modische Zweitmarken, www.bongenie-grieder.ch


Innovative Schweizer Boutiquen mit originellen Marken:

Fidelio in Zürich hat Hunderte von Marken - einige davon sind okay, aber am preisbewusstesten kauft man im Fidelio 2 bzw. im neuen „3“, www.fideliokleider.ch

Vestibule in Zürich kleidet alle coolen Frauen ein, etwa mit Alexander Wang, Hope oder Forte Forte, www.vestibule.ch

Apartment in Zürich hat etwa A.P.C., Christensen du Nord und Loft, www.apart-ment.ch

Maud in Zürich hat See by Chloé und Ally Capellino, www.maud.ch

Stereo Fashion im Zürcher Seefeld setzt auf mittelpreisige Marken wie Drykorn und Closed, www.stereofashion.ch

Komplementair in den Vidaduktbögen Zürich hat günstige und schöne Accessoires, www.komplementair.ch

Monadico in Zürich hat Schuhe von Moma, Melissa oder Ixos, www.monadico.ch

Die Boutique Roma in Zürich und St. Gallen hat ausser extremer Avantgarde auch zahlbare Basics wie etwa von James Perse aus L.A., www.boutique-roma.ch

Looq in Zürich ist nicht gerade preisgünstig, aber hat elegante und ungewöhnliche Dinge, die eine Weile gut bleiben, www.looq.ch

Pesko in Lenzerheide verkauft etwa Allude und Brunello Cuccinelli, www.pesko.ch

Kitchener in Bern verkauft etwa Acne und Bensimon, www.kitchener.ch

Set & Sekt in Basel hat Acne, Helmut Lang oder MM6, www.setandsekt.com 

Boutique Wicky in Basel hat keine Website, aber brauchbare Mode. Brunngässlein 8

Ademås in Winterthur verkauft moderne Klassik im Untergeschoss, www.ademas.ch

Der 7. Himmel ist Luzerns erste Adresse, mit Acne oder Griesbach, www.7himmel.ch

Schweizer Designer von erwachsener Klasse: 
Paradis des Innocents, www.paradisdesinnocents.com
Dorothee Vogel, www.dorotheevogel.com
Ida Gut, www.idagut.ch
Simple by Magdalena Ernst, www.magdalena-ernst.ch
Maria van Rensen, www.mariavanrensen.ch
Ana Blum Accessoires, www.anablum.com
Griesbach aus Winterthur machen ansprechen Taschen, www.griesbachweb.com
Stephanie Pothen, www.stephaniepothen.ch
Nina van Rooijen, derzeit bei Globus, http://ninavanrooijen.blogspot.com


Handwerklich tolle Luxusklasse - nicht günstig, aber rechtschaffen:
Hermès, www.hermes.com
Lanvin, www.lanvin.com
Bottega Veneta, www.bottegaveneta.com
Und natürlich unser Schweizer Toplabel Akris, www.akris.ch


Hinweis für Bezugsquellen:
Lokale Adressen und Telefonnummern finden sich jeweils über die angegebenen Websites der Modehäuser/Designer.

Eine PDF-Version dieses Textes ist auf Wunsch auch abrufbar, bitte melden Sie sich hier an.

Hinweis des Autoren:
Die Liste ist subjektiv und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Anbieter, die sich in diesem Rahmen übergangen fühlen sind gebeten, sich zu melden: jvr@nzz.ch.

Sonntag, 3. Oktober 2010

Ihre Fragen, bitte!

Ihre persönlichen Fragen senden Sie an jvr@nzz.ch - die Zuschriften werden auf Wunsch der Fragesteller anonymisiert.

Samstag, 2. Oktober 2010

Casual-Stil: Autistische Selbstinzenierung

Wo sieht man heute - abgesehen von Bankern in dunklen Anzügen - noch wirkliche Eleganz und Dezenz? Der Mann trägt Tätowierungen, Turnschuhe, Jeans und Sporttasche. Dabei steckt hinter dieser textilen Ausstaffierung ja nicht einmal mehr eine politische oder gesellschaftliche Botschaft, sondern nur autistische Selbstinszenierung. Selbst in den Tempeln bürgerlicher Kultur macht sich dieser verschlarpte Habitus breit. Bin ich zu pessimistisch? Ulrich S., Zürich 

Sie sollten an der Sonne spazieren gehen und sich freuen, dass sich die Welt nicht nur dreht, sondern auch verändert. Sie ist weniger steif und förmlich als vor vierzig Jahren, und das ist gut so. Dass dabei leider auch Tonnen von Textil- und Bekleidungskultur den Bach runtergegangen sind, ist zwar schlimm. Doch richten Sie Ihren Fokus auf das, was erhalten geblieben ist, und versuchen Sie mit gutem Vorbild, Traditionen lebendig zu halten. Mehr können wir beide nicht tun.

Wo gibt es gute, günstige Boutiquen?



Ich bin eine Frau Mitte 30, die nicht jeden Modetrend mitmachen will. Ich trage bei einer Grösse von 171 cm die Konfektionsgrösse 38. Also ganz normaler Durchschnitt. Nun bin ich auf der Suche nach einem Modegeschäft in Zürich, das zeitlose, aber stilvolle Mode für den Alltag anbietet, die bezahlbar ist. Die Mode von Akris gefällt mir sehr gut, nur leider liegt sie nicht in meinem Preissegment. Haben Sie einen Tipp? Nicole R., per E-Mail 

Sie wollen mich in Teufels Küche bringen! Denn wenn ich jetzt eine ganz bestimmte Boutique in Zürich nenne, dann rennen mir die anderen in den kommenden Tagen die Türen mit Beschwerden ein. Ich sage nur: Die klassische «Mitte» ist zwar der grösste, aber am sträflichsten vernachlässigte Teil des Modemarktes. Es gibt ganz tolle Billigheimer und absurd teure Luxusanbieter von Weltrang. Aber eine Mode, die sinnvoll, stilvoll und bezahlbar ist, die findet man schwer. Machen wir es so: Ich publiziere Ihnen online in den nächsten Tagen ein paar konkrete Tipps - Adresse siehe unten.


Anmerkung der Redaktion: Adressen folgen in den kommenden Tagen! Grüsse aus Paris ...

Sind Chinos ein Must?

In deutschen Zeitschriften lese ich immer wieder von Chinos und dass sie in keiner Männergarderobe fehlen dürfen. Gilt das auch für die Schweiz? Wie nennt man diese khakifarbene Hose hierzulande? Und auf was muss ich beim Kauf achten? Matthias A., Pfäffikon 

Die Zeiten, in denen Stilempfehlungen vor Landesgrenzen haltmachten, sind im vereinten Europa, zu dem ich ganz unpolitisch auch die Schweiz zähle, seit langem vorbei. Was also für Baden-Württemberg, Bayern und nördlichere Gefilde als Rat ausgegeben wird, darf sicher auch von den stolzen Eidgenossen beherzigt werden. Chinos sind robuste Baumwollhosen, welche früher die Wüstensoldaten trugen und die seit sechzig Jahren absolute Klassiker sind. Sie sind meist von Dockers, aber neuerdings auch von Closed, die sehr coole Chinos machen: oben bequem, am Bein schmal.